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Aktuelle Ausstellung

ElkeHeidenreichFoto: © Leonie von Kleist

ELKE HEIDENREICH & MARC-AUREL FLOROS

Konzertlesung (AUSVERKAUFT)

Sa., 10. September 2022, 19 Uhr (Einlass 18:30)
Bürgersaal, Rosentalstr. 56, Roetgen

Elke Heidenreich wird aus ihren beiden letzten Büchern lesen und dazu von Marc-Aurel Floros am Klavier begleitet. „Männer in Kamelhaarmänteln“ (Hanser, 2020) handelt davon, dass alle gut aussehen wollen, hinter diesem Wunsch jedoch meist mehr steckt. Wenn Elke Heidenreich von Kleidern erzählt, dann erzählt sie vom Leben selbst: von sich mit sechzehn, von Freundinnen, von Liebe und Trennung. Es sind Geschichten, die mal komisch, mal traurig sind und in denen man sich selbst wiederfindet.
Lesen macht glücklich und ist der rote Faden im Leben von Elke Heidenreich. „Hier geht’s lang!“ (Eisele, 2021) hat sie geschrieben, um nachzuvollziehen, wie Bücher von Frauen uns zu dem machen, was wir sind, um zu verstehen, was Literatur bedeutet, und um ihren Leserinnen Anregungen zum eigenen Lesen und Leben zu geben.

In Kooperation mit: Logo RheinischerKultursommer2022 


Kulturfestival X der StädteRegion: Elke Heidenreich begeistert im Bürgersaal. Marc-Aurel Floros ist ein sensibler Begleiter am Klavier

Von Sabine Rother

Der Bürgersaal in Roetgen ist an diesem Abend beim Kulturfestival X der StädteRegion Aachen ausverkauft. Schon lange vor Beginn gibt es eine Schlange am Eingang an der Rosentalstraße. Draußen tauscht man Geschichten aus – Elke Heidenreich und ihre Sendung „Lesen!“, als Buchautorin, im Radio. Alle sind sich einig: Sie ist toll, offen, ehrlich, auch witzig. Ein separater Büchertisch verrät, was man heute hören wird. Pünktlich kommt Elke Heidenreich im hellgrauen Glitzerpullover auf die Bühne, sportlich, freundlich, gelassen, mit einem Lächeln, das alle im ausverkauften Bürgersaal Roetgen erreicht. Dann konzentriert sie sich auf ihre vorbereiteten Bücher, während ihr Lebensgefährte, der Pianist und Komponist Marc-Aurel Floros, gleich am Klavier Platz nimmt.

Elke Heidenreich nimmt ihre Zuschauerinnen und Zuschauer mit liebenswürdiger Direktheit an die Hand, erzählt von ihrer langen Karriere und von bedeutenden Stationen ihres Lebens. Das waren viele. Die ZDF-Literatursendung „Lesen!“ (2003-2008) lag der heute 79-Jährigen besonders am Herzen: „Leute, lest!!“ ist noch heute ihre dringliche Aufforderung. „Lesen hilft gegen das Verzweifeln“, sie weiß es genau – aus trauriger Erfahrung, denn in der Familie gab es viele Unstimmigkeiten und Probleme. Oft zog sie sich als junges Mädchen mit einem Buch zurück – und war getröstet. Heute ist sie nicht etwa trübsinnig, eine gute Unterhalterin mit allen Facetten und wichtigen Erfahrungen. „Zuerst denken alle, ein Kind, das liest, ist angepasst“, betont sie. „Aber das stimmt nicht, beim Lesen taucht man ein in neue Welten. Das eigenständige Denken entwickelt sich.“

Wenn Marc-Aurel Floros in die Tasten greift, schwingt die Verbundenheit der beiden mit. Melodien bieten der Autorin immer wieder Momente der Entspannung. „Ich weiß nie, was er spielt“, lacht sie, „aber ich vertraue ihm.“ Floros leistet sich flotte, stilistisch abenteuerliche Varianten bekannter Melodien, auch Opernarien und Schlager, die er geschickt den Themen anpasst, die Elke Heidenreich aufnimmt. Drei Bücher hat sie sorgfältig vorbereitet: „Hier geht‘s lang“ (2021) über die Prägung durch Bücher, das frisch gedruckte Werk „Ihr glücklichen Augen“, ein außergewöhnliches Reisebuch (2022), und „Männer in Kamelhaarmänteln“ (2020) – es geht um das, was man anzieht und warum.

In 90 Minuten gelingt Elke Heidenreich eine spannende Reise durch Welt und Literatur – fremde wie eigene. Ihr Humor ist ungebrochen. Das Publikum applaudiert immer wieder. In „Hier geht’s lang“ analysiert die Autorin, welche Bücher ihrer Zeit Frauenbilder geprägt haben – in ihrer Kindheit, den Jahren als Heranwachsende, als „Backfisch“ und als Studentin. Da ging es los mit „Trotzkopf“, später den betulichen Büchern von Emma Gündel mit ihrer Romanheldin „Elke“, die erstmals als „Elke, der Schlingel“ 1937 auf dem Büchertisch lag. „Grauenhaft dummes Zeug. Mich haben schließlich die Karl-May-Romane gerettet“, betont die Autorin. Zur aktuellen Diskussion und zur Frage, ob die Geschichten um Häuptling Winnetou „politisch korrekt“ sind, sagt sie nur. „Lassen Sie sich nicht auf so einen Quatsch ein, man sollte Winnetou nicht mehr lesen! Tun Sie es.“ Endlich hielt sie damals Bücher von Enid Blyton mit ihren spannenden „Fünf Freunde“-Titeln in den Händen, die Rettung vor dumpfen Klischees. Die überaus erfolgreiche Autorin erkrankte 1961 an Alzheimer – was für ein Verlust. Elke Heidenreich schweigt einen Moment. „Wenn ich ein Vöglein wär“ – die Melodie schält sich aus einer Improvisation des Pianisten heraus, und die Autorin singt leise mit, einige Menschen im Publikum auch, ein stilles Gedenken. Dann endlich die wilde „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren, der Elke Heidenreich persönlich begegnet ist.

Bevor es zu sentimental wird, klappt sie Buch Nummer eins zu und den Titel „Männer in Kamelhaarmäntel“ auf. Die Autorin hat sich nie angepasst, hat Ideen und Stile selbstironisch ausprobiert und für sich eine Lösung gefunden: „Ich trage, was ich mag und was mir steht!“ Es wird lustig, als sie die Zeit aufleben lässt, als Mädchen „ein Röcklein“ tragen mussten.

Versonnen wird Elke Heidenreich bei „Ihr glücklichen Augen“, das neueste Buch, das philosophische Reife in leuchtende Bilder kleidet – von Metropolen und Ländern? Nein, es sind die Menschen, die sie ein Leben lang fasziniert haben.

Man möchte einfach nur zuhören. „Nesthäkchen“ & Co. haben sie offenbar nicht abgelenkt von einem vielfältigen, literarisch und medial spannenden, mit Freude und Kummer erfüllten Leben, geprägt von beständiger Neugier und der Lust am „ganz normalen Wahnsinn“, etwa beim Abend mit Roberto Blanco in einem Kursaal. „Ein bisschen Spaß muss sein“, sie lacht noch heute, war es Bad Oeynhausen, oder Bad Salzuflen? Egal. Floros spielt. Heftiger Applaus für beide, Elke Heidenreich blickt auf die Uhr und eilt zum Büchertisch. Wieder eine Schlange.

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