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Frieda Riess Gottfried Benn

Das Selbstporträt mit Papagei, 1922

Die Fotografin Frieda Riess war 32 Jahre alt, als sie sich 1922 in klassischer Positur zum Dreiviertelbildnis der Kamera stellte. Mit damenhaft frisiertem Bubikopf, elegant gekleidet für den besonderen Anlass, im weit fallenden, zweiteiligen Oberteil wendet sie den Blick dem auf der rechten Schulter sitzenden Papagei zu. Die Hände, das individuell sprechende Pendant zum Kopf, kommen nicht ins Bild, damit sie für den Betrachter unbemerkt den Auslöser bedienen kann.

Gottfried Benn und „die Riess“, wie sie von ihren Zeitgenossen genannt wurde, verband um 1924 ein Liebesverhältnis. Doch auch weit über den Abschied der Riess aus Berlin 1932 hinaus, bis in die Jahre ihrer Vereinsamung in Paris, standen beide in Kontakt. Möglich ist, dass sich Riess und Benn in Berlin über Flechtheim kennen lernten.

 

Auf die Platten die Iche
tuschend mit Hilfe des Lichts,
die Gestalten, die Striche
Ihres – Linsengerichts:
dort die Braue, die Wange
hier -, erblicken Sie nicht
hinter den Masken im Zwange
fliehend das eine Gesicht?

Es sind Augen, die schliefen,
Stirn, die das Große gedacht,
es sind Lippen, die riefen -
aber was ist vollbracht?
Die Gestalten, die Striche
tief in der Tusche des Lichts,
auf der Platte die Iche -
Züge des Nichts.

Gottfried Benn

 

Foto links: Frieda Riess, Selbstporträt mit Papagei, 1922 © ullsteinbild
Foto rechts: Frieda Riess, Gottfried Benn, Arzt und Schriftsteller, 1924


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